Pressekritik · Tomasz Kożuch

Technologie, Dinosaurier und Einsamkeit. „65“ als raues Überlebensspektakel

Die Kombination von fortschrittlicher Technologie mit der erbarmungslosen Umwelt des Mesozoikums klingt wie das Rezept für einen spektakulären Blockbuster, doch das Duo Scott Beck und Bryan Woods wählt den Weg einer fokussierten Narration. Unterstützt vom Produzenteninstinkt Sam Raimis verzichten die Macher auf unnötige Exposition zugunsten reinen Genrekinos. Es entsteht ein intimes Werk, in dem ein Weltraum-Schiffbrüchiger gegen die absolute Macht der prähistorischen Natur antritt.

25. August 2026Regie Scott BeckKritikerbewertung 6.5/10
Filmplakat zu 65

Rezensierter Film

65 (2023)

Akcja · Przygodowy · Sci-Fi · 1h 33min

Anstatt ein komplexes Universum aufzubauen, setzen Scott Beck und Bryan Woods auf narrative Askese. Die Regie konzentriert sich auf die Ökonomie des Erzählens: Die Ausgangsprämisse, in der ein Pilot einer hochentwickelten Zivilisation vom Planeten Somaris kurz vor einer kosmischen Katastrophe auf einer unbekannten Welt abstürzt, dient lediglich als geschickter Vorwand für eine kompakte Geschichte über den Überlebenskampf. In der Inszenierung der Action ist das Händchen von Sam Raimi als Produzent deutlich spürbar. Das Spektakel erinnert an klassische Pulp-Science-Fiction-Erzählungen, bei denen das Tempo nie nachlässt und die Spannung durch eine kontinuierliche, direkte Bedrohung aufgebaut wird.

Der besondere handwerkliche Wert des Films ist der durchdachten Kameraarbeit von Salvatore Totino zu verdanken. Die Entscheidung, auf übermäßigen Greenscreen zugunsten natürlicher Schauplätze in den Wäldern von Louisiana und Oregon zu verzichten, führte zu hervorragenden Ergebnissen. Die prähistorische Erde wirkt keineswegs wie eine synthetische Kulisse; durch Totinos Linse erscheint sie rau, feucht und authentisch bedrohlich. Das von renommierten VFX-Studios verfeinerte visuelle Erscheinungsbild harmoniert nahtlos mit den musikalischen Kompositionen von Chris Bacon und Danny Elfman. Der Soundtrack balanciert gekonnt zwischen organischem Orchesterklang und futurisierender Elektronik und verstärkt das Gefühl der Einsamkeit der Protagonisten auch akustisch.

Adam Driver, der die Last des gesamten Spektakels trägt, beweist einmal mehr seine schauspielerische Vielseitigkeit. Sein Mills ist eine von persönlicher Tragödie gezeichnete Figur – die Motivation für die gefährliche Mission war der Wunsch, Geld für die Behandlung seiner kranken Tochter Nevine zu beschaffen. Driver verbindet in seiner Darstellung eine dramatische Dimension mit anspruchsvoller physischer Präsenz. Seine junge Spielpartnerin Ariana Greenblatt in der Rolle der Koa baut eine äußerst glaubwürdige Beziehung zu ihm auf. Die Tatsache, dass die Charaktere nicht dieselbe Sprache sprechen, zwang die Schauspieler dazu, mit Gestik und Mimik zu arbeiten, was ihrer Bindung auf der Leinwand Authentizität und emotionale Tiefe verleiht.

Unter der Oberfläche eines dynamischen Actionkinos schmuggeln die Macher universelle Motive elterlicher Verantwortung und der Bewältigung von Verlust ein. Die Beziehung zwischen Mills und dem Mädchen wird für den Hauptdarsteller zu einer Form emotionaler Erlösung und zum Versuch, eine verlorene Welt wiederaufzubauen. Der Zusammenprall von ausgefeilter, futuristischer Technologie mit der Urgewalt raubtierhafter Reptilien wirft zudem Fragen nach den Grenzen des Überlebens angesichts der absoluten Macht der Natur und der Unausweichlichkeit des bevorstehenden Untergangs auf. In diesem Konflikt erweist sich die Technik als fehlbar, und der Wille zum Leben wird entscheidend.

Trotz der handwerklich soliden Umsetzung ist der Film nicht frei von Mängeln, auf die ein Teil der Kritik zu Recht hingewiesen hat. Das Drehbuch des Duos Beck-Woods krankte an Einfachheit und einer gewissen Schematischkeit. Man kann sich des Eindrucks kaum erwehren, dass das Potenzial der so skizzierten Welt auf eine Reihe sich wiederholender Geplänkel mit immer neuen Arten prähistorischer Kreaturen reduziert wurde. Die Handlungskonstruktion wirkt mitunter zu vorwandhaft, und die komprimierte Laufzeit erlaubt weder einen umfassenderen Ausbau der Hintergrundwelt noch eine tiefere Entfaltung einzelner Nebenstränge.

„65“ ist jedoch ein Angebot, das präzise auf Liebhaber bedingungslosen Überlebenskinos zugeschnitten ist, die traditionell umgesetzte Sci-Fi-Spektakel mit prägnantem Schauspiel schätzen. Es ist ein solider Vertreter des Genres, der zwar die Form nicht revolutioniert und ausgetretene Pfade nicht meidet, aber grundsolide, spannende und handwerklich ausgereifte Unterhaltung bietet.

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