Pressekritik · Tomasz Kożuch

Die Evolution der synthetischen Identität. M3GAN 2.0 bricht mit dem Horror zugunsten des Actionkinos

Die Rückkehr der kultigen, digitalen Babysitterin erweist sich als eine der überraschendsten Neuausrichtungen im neueren Genre-Kino. Gerard Johnstone verwirft die bewährten Schemata des ersten Teils und serviert dem Publikum einen technisch ausgereiften und faszinierenden Sci-Fi-Thriller mit prägnanter Action-Note.

24. August 2026Regie Gerard JohnstoneKritikerbewertung 8.0/10
Filmplakat zu M3GAN 2.0

Rezensierter Film

M3GAN 2.0 (2025)

Akcja · Sci-Fi · Thriller · 2h 0min

Als der erste Teil der Geschichte über die mörderische künstliche Intelligenz die Leinwände eroberte, rechneten nur wenige damit, dass die Vision eines Roboters, der zum Schutz von Gemmas minderjähriger Nichte entwickelt wurde, ein so großes narratives Potenzial birgt. Gerard Johnstone beweist in M3GAN 2.0 jedoch, dass die Arbeit an diesem Sequel ein tief durchdachter Prozess war und kein reines kommerzielles Melken der Marke. Der Regisseur entscheidet sich für eine mutige Neudefinition der Form: Er verlässt den Rahmen des kammerspielartigen Horrors mit Sci-Fi-Elementen zugunsten eines dynamischen Thrillers und vollblütigen Actionkinos. Dieser radikale Kurswechsel erweist sich als höchst anerkennenswert, verleiht dem Ganzen einen völlig neuen Atem und bewahrt das Franchise vor Repetitivität.

Handwerklich präsentiert sich der zweite Teil auf einem extrem hohen professionellen Niveau. Die visuelle Gestaltung und die Spezialeffekte wurden mit großer Sorgfalt ausgearbeitet. Die Kameraleute setzen Licht gekonnt ein und schaffen eine moderne, sterile und zugleich beunruhigende Atmosphäre einer Welt der Hochtechnologie. Das CGI zeigt nicht die geringsten Anzeichen von Künstlichkeit, was es erlaubt, ohne Hindernisse in die dargestellte Welt einzutauchen, ohne durch handwerkliche Mängel aus dem Film gerissen zu werden. Eine Schlüsselrolle spielt hier auch der Schnitt – dynamisch in den Konfrontationssequenzen, aber mit voller Transparenz des Bildausschnitts, sodass das Chaos auf der Leinwand einer rhythmischen, durchdachten Inszenierung weicht.

Als interessanter Kniff, der von der Reife der Macher zeugt, erweist sich die große Zurückhaltung bei der Tonebene. Die Filmemacher verzichten darauf, das Gehör des Publikums mit einem ständigen, pulstreibenden musikalischen Hintergrund zu bedrängen. Der Soundtrack agiert mit großer Mäßigung und kommt nur dort zum Einsatz, wo er absolut notwendig ist. Eine solche Wahl schafft den nötigen Raum für die eigentliche Narration und ermöglicht es, die Aufmerksamkeit auf die präzise entwickelte Intrige und die Beziehungen zwischen den Figuren zu richten. Dies reißt den Film auch aus den Gleisen des typischen, schrillen Unterhaltungskinos.

Ein außergewöhnliches Plus der Produktion bleibt ihr perfekt ausgewogener Tonfall, in dem Humor eine Schlüsselrolle spielt. Die schauspielerischen Leistungen und der Ausdruck der Figuren bilden ein ideales Gegengewicht zur synthetischen Kälte der Titelheldin. Witze und humorvolle Pointen werden mit geradezu apothekerischer Präzision dosiert. Die Macher überschütten uns nicht an jeder möglichen Stelle mit erzwungenen Gags, was dazu führt, dass selbst absurdere oder platte Schlagabtausche einwandfrei funktionieren und den idealen Kontrapunkt zu der in den Konfliktszenen aufgebauten Spannung bilden.

Die Handlung selbst bleibt äußerst fesselnd und gespickt mit Wendungen, die sich vor der finalen Auflösung kaum vorhersehen lassen. Was wichtig ist: M3GAN 2.0 besteht den schwersten Test für das Populärkino – den Test der Wiederholungssichtung. Den Film ein zweites Mal zu sehen, sei es nach dem Kinobesuch gemütlich zu Hause oder bei einer erneuten Analyse der Plot-Lösungen, erweist sich als ebenso befriedigend. Die Geschichte wird nicht langweilig und verliert nichts von ihrer Frische. Ein gewisser Wermutstropfen für einen Teil des Publikums könnte jedoch die Abkehr von der klassischen Horror-Formel und die Minimierung der traditionellen musikalischen Untermalung sein. Zuschauer, die eine Wiederholung des direkten Gruselns erwarten, könnten vom neuen Kurs überrascht sein, doch diese Dominanz der Handlung über den auditiven Hintergrund bleibt eine bewusste künstlerische Entscheidung.

M3GAN 2.0 ist ein ideales Angebot für Cineasten, die nach frischem Wind in Sequels suchen, sowie für Liebhaber durchdachter Sci-Fi, die mit dynamischem Actionkino verwoben ist. Johnstones Werk wird sicherlich jeden zufriedenstellen, der im Kino unvorhersehbare Intrigen, gelungenen Humor und kompromisslose handwerkliche Präzision schätzt.

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