Pressekritik · Redakcja Cinefy
Eli Roths verdorbenes Eis: Wenn Kitsch aufhört zu amüsieren und anfängt zu langweilen
Eli Roth versucht einmal mehr, ein unschuldiges Kindheitsmotiv in eine makabre Groteske zu verwandeln. Sein „Ice Cream Man“ sollte eine komprimierte Hommage an Groschenromane und die Slasher-Tradition sein, versinkt am Ende jedoch im inszenatorischen Chaos. Ein Werk, in dem das Potenzial für eine reife Satire oberflächlichen Kniffen und einer spürbaren kreativen Atemlosigkeit weicht.

Rezensierter Film
Ice Cream Man (2026)
Horror · Thriller · Komedia · 1h 26min
Eli Roth hat uns an kompromisslosen Makabres gewöhnt, das mit einem Augenzwinkern serviert wird. In seinem neuesten Projekt greift der Regisseur nach einem in der Popkultur verankerten Archetypen und verwandelt ein süßes Symbol der Kindheit in eine Figur des reinen Schreckens. Eine Laufzeit von nur einer Stunde und sechsundzwanzig Minuten ließ ein kompaktes, dynamisches Spektakel im Stile des unprätentiösen B-Movies vermuten. Roth versucht sichtlich, an die Ästhetik von Pulp-Fiction und klassischen Slashern anzuknüpfen, doch dieses Mal fehlt ihm offensichtlich die frühere regisseure Disziplin sowie der inszenatorische Biss, wodurch das Ganze wie ohne klare Idee für die Erzählführung wirkt.
Die visuelle Ebene des Films arbeitet mit einer Travestie der vorstädtischen Idylle. Die Kamera schwelgt in Pastellfarben, die eigentlich in scharfem Kontrast zur Gewalt auf der Leinwand stehen und eine kognitive Dissonanz erzeugen sollten. Die Beleuchtung, die eine sonnige, stressfreie Vorstadt simuliert, baut den Schein der Ruhe auf, während die Horrorsequenzen mit stark überzeichnetem Make-up und Gore-Effekten auftrumpfen. Leider verliert dieser Gegensatz schnell an Schwung. Ähnlich verhält es sich mit dem Soundtrack, in dem verzerrte, schrille Motive bekannter Eiswagen-Melodien dominieren. Obwohl diese auditive Deformation anfangs eine dichte Unruhe erzeugt, wandelt sie sich mit der Zeit in einen äußerst ermüdenden und unnatürlich repetitiven Hintergrund.
Schauspielerisch wirkt der Film uneben. Das Ensemble aus der jungen Darstellergeneration wie Charlie Zeltzer, Shiloh O’Reilly und Sarah Abbott sowie erfahrenen Schauspielern vom Schlage eines Ari Millen oder Benjamin Byron Davis überschlägt sich schier, um die extrem flach geschriebenen Figuren zu retten. Ari Millen versucht zwar, seiner Rolle etwas überzeichnete, groteske Charisma zu verleihen, doch die Drehbucheinschränkungen reduzieren seine Darbietung auf ein Set aus sich wiederholenden Grimassen und klischeehaften Gesten. Die Nachwuchsschauspieler agieren zwar solide, es fehlt ihnen jedoch an dramatischem Material, das den Aufbau einer glaubwürdigen, emotionalen Bindung zum Publikum ermöglichen würde.
Auf thematischer Ebene versucht „Ice Cream Man“, Motive wie den Verlust der kindlichen Unschuld und die Angst vor dem zu behandeln, was sich hinter der Fassade vorstädtischer Berechenbarkeit verbirgt. Roth jongliert mit den Konventionen der schwarzen Komödie und des ekelerregenden Body-Horrors, indem er die Titelfigur des Eisverkäufers als Verkörperung unterdrückter Traumata und kindlicher Phobien anlegt. Das Problem liegt darin, dass diese potenziell ertragreichen soziologischen Subtexte reine Absichtserklärungen bleiben. Sie werden schonungslos von dem Wunsch erdrückt, mit billiger Gore-Ästhetik zu schockieren, was statt Tiefe nur ein Gefühl formaler Unzulänglichkeit hinterlässt.
Die größte Schwäche der Produktion erweist sich als der eklatante Mangel an narrativem Rhythmus und die Repetitivität des Humors. Der chaotische Schnitt raubt den einzelnen Szenen die nötige Dynamik, und der Humor vermag die Grausamkeit nicht angemessen auszubalancieren. Infolgedessen gerät der Film in einen stilistischen Schwebezustand – er wird weder ausreichend gruselig noch wirklich komisch. Die schwache Aufnahme beim Publikum kommt daher nicht von ungefähr; die fadenscheinige Handlung und die montagetechnische Unbedarftheit sorgen dafür, dass selbst eine so kurze Vorstellung am Ende zu langweilen vermag.
Dies ist ein Angebot, das sich ausschließlich an kritiklose Liebhaber eines spezifischen Nischenkinos an der Grenze zum kitschigen Makabren richtet. Zuschauer, die im Horrorfilm nach einem frischen Blick, psychologischer Tiefe oder zumindest einem gekonnten Spannungsaufbau suchen, sollten diesen Titel weiträumig meiden.