Pressekritik · Tomasz Kożuch

Gerechtigkeit für den Kojoten. Eine reife Satire und eine Revolution im Gerichtssaal

Die Verbindung von traditioneller Animation und Realfilm war für Filmemacher schon immer eine Herausforderung, die außerordentliche Präzision erfordert. Dave Green geht aus diesem Duell als Sieger hervor und verwandelt den klassischen Zeichentrickfilm in ein treffsicheres, charmantes Spektakel. Es ist ein reifer Filmbeitrag, der der Intelligenz des Publikums jeden Alters mit tiefem Respekt begegnet.

24. August 2026Regie Dave GreenKritikerbewertung 7.5/10
Filmplakat zu Coyote vs. ACME

Rezensierter Film

Coyote vs. ACME (2026)

Komedia · Przygodowy · Familijny · 1h 43min

Die stumme, ikonische Figur des Wile E. Coyote in eine 113-minütige Realfilmwelt zu übertragen, verlangte nicht nur Mut, sondern vor allem eine eiserne erzählerische Disziplin. Dave Green steht vor einer Aufgabe, die in der edlen Tradition des Hybridkinos verwurzelt ist, in der die Konvention der Zeichnung auf die Physis der realen Welt treffen muss. Der Regisseur beweist ein erstaunliches Gespür für komödiantisches Timing, zollt dem Werk von Chuck Jones Tribut und lässt nicht zu, dass die Gerichtssaal-Kulisse den für die „Looney Tunes“-Reihe charakteristischen, reinen Slapstick erdrückt. Green führt die Geschichte mit fester Hand und balanciert gekonnt zwischen den Anforderungen der klassischen Drei-Akt-Struktur und der anarchischen Energie des Originals.

In formaler Hinsicht begeistert der Film durch technisches Können und eine präzise Kameraführung. Die Kameraarbeit kontrastiert bewusst zwei Welten: Gedämpfte, kühle und realistisch ausgeleuchtete Innenräume von Gerichtssälen und Konzernbüros treten gegen den prägnanten, traditionellen Zeichenstil des animierten Protagonisten an. Eine Schlüsselrolle spielt hierbei der rhythmische Schnitt, von dem die gesamte Dynamik des Situationshumors abhing. Die Schnitte sitzen punktgenau und setzen die komödiantischen Pausen sowie die Reaktionen der realen Schauspieler auf das Chaos auf der Leinwand perfekt in Szene. Abgerundet wird dieses fein gewebte Gefüge durch das Sounddesign und die Musik. Die kultigen Pfeifgeräusche, Explosionen und das Dröhnen herabstürzender Ambosse klingen frisch und satt, während der Soundtrack mühelos von getragenen, orchestralen Juristen-Motiven zu absurd spritzigem Jazz wechselt.

Auf der schauspielerischen Ebene sticht der hervorragende Will Forte als vom Pech verfolgter Anwalt des Kojoten hervor. Forte beweist eine bewundernswerte Expressivität, harmoniert fehlerfrei mit der animierten, sprachlosen Figur und baut eine authentische Chemie auf der Leinwand zu ihr auf. Auf der anderen Seite der Barrikade steht John Cena als Chef der ACME Corporation. Cena liefert eine großartig überzeichnete, von Charisma und Selbstironie geprägte Darstellung ab und erschafft einen Antagonisten, der den Zynismus des Big Business verkörpert. Starke Unterstützung für die Haupthandlung bietet die Nebencast um Lana Condor, Eric Bauza und Luis Guzmán, die der gesamten Erzählung ein solides Fundament verleiht.

Die größte Stärke des Drehbuchs bleibt jedoch sein sozioökonomischer Subtext und die Treffsicherheit der eingesetzten Metapher. Der Gerichtsfall gegen das Marktmonster wird zu einer bissigen Satire auf die Produkthaftung von Konzernen, die Konsumkultur und die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem System. Der Kojote – bislang Symbol des ewigen Frustrierten und vom Pech Verfolgten – wandelt seine Obsession für den Road Runner in einen rationalen Kampf um Gerechtigkeit um. In dieser Betrachtung gewinnt die Geschichte eine universelle Dimension: Es ist eine zutiefst humanitäre Erzählung über die Solidarität zweier Verlierer des Lebens, die die Macht von ACME herausfordern.

Trotz der unbestreitbaren handwerklichen Klasse ist der Film nicht frei von kleineren Schwächen. Im zweiten Akt verlangsamt sich das Erzähltempo spürbar, und der Schnitt wirkt unter der Last der juristischen Prozeduren stellenweise etwas schwerfällig, was auf Kosten der reinen Unterhaltung geht. Ein Teil der Situationskomik wiederholt zudem ausgetretene Muster vorheriger Sequenzen, was bei einer Laufzeit von über 110 Minuten phasenweise ermüdend wirkt. Auch einige Nebenfiguren hätten etwas mehr Raum gebraucht, um ihre eigenen Handlungsstränge vollständiger zu entfalten.

Dies sind jedoch kleine Mängel, die den Gesamterfolg des Projekts nicht schmälern. Das Werk von Dave Green verbindet erfolgreich Generationen und bietet eine unprätentiöse sowie vielschichtige Unterhaltung. Kinder finden hier physischen Humor und unermüdliche Energie, während Erwachsene die bissige Gesellschaftssatire und die dicht gestreuten Anspielungen auf Klassiker der Filmgeschichte zu schätzen wissen. Es ist ein außergewöhnlich universelles Angebot, das das jüngere Publikum nicht von oben herab behandelt und dem älteren eine durchdachte Dosis edler Nostalgie bietet.

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